Konzept

Der Schulträger

Die Bildungs- und Erziehungsarbeit der Herrnhuter Brüdergemeine hat ihren Ursprung bereits im 18. Jahrhundert, als die ersten Internatsschulen in Deutschland eröffnet wurden. Ihnen kam unter anderem bald die Aufgabe zu, Kinder von Missionaren zu unterrichten und ihnen auch einen Familienersatz zu bieten. Im 19. Jahrhundert wurde das Schulwerk der Brüdergemeine stark ausgebaut. Manche deutsche Adelsfamilie ließ ihre Kinder in diesen Schulen ausbilden, da sie für ihre Kinder bewusst eine Erziehung auf den Grundlagen des christlichen Glaubens wählte.

Auch heute werden die Schulen der Brüdergemeine von einer zunehmenden Zahl Schülerinnen und Schüler besucht. Die Eltern schätzen die pädagogische Arbeit, die auf einem christlichen Menschenbild basiert und jedes einzelne Individuum in seiner unverwechselbaren Eigenart ernst nimmt und in seiner Entwicklung individuell begleitet, fördert und fordert.

Gegenwärtig unterhält die Brüdergemeine in Deutschland eine Internatsschule in Königsfeld im Schwarzwald (Gymnasium, Realschule und Berufliche Schule) und eine Schule in Tossens an der Nordsee (Gymnasium und Realschule), weiterhin gibt es Schulen der Brüdergemeine in den Niederlanden in Zeist (Haupt- und Realschule) und Amsterdam (Grundschule).

Aufgrund der Debatte um die Erhaltung der Schulstandorte im Landkreis Löbau-Zittau traten bereits sehr frühzeitig die Elternschaft, des Lehrerkollegium, die Stadt und die örtliche Brüdergemeine an mit der Bitte und Aufforderung an die Brüder-Unität heran, sich als Schulträger mit langjähriger Erfahrung für einen Erhalt des Herrnhuter Gymnasiums einzusetzen und eine Erziehung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen nach den Grundsätzen der Brüdergemeine zu gewährleisten.

Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in der Erziehungs- und Bildungsarbeit kann die Brüder-Unität zum Profil des Zinzendorf-Gymnasiums Herrnhut vieles beitragen. Namen wie Johann Amos Comenius (1592-1670), Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760), Paul-Eugen Layritz (1707-1788) und Hans Windekilde Jannasch (1883-1981) stehen für bahnbrechende pädagogische Entwürfe, an denen man sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in vielen Schulen orientiert hat.

Das Gymnasium

Das Zinzendorf-Gymnasium Herrnhut (EZGH) wird als staatlich anerkannte Ersatzschule geführt und ist einer öffentlichen Schule gleichwertig. Das EZGH unterliegt der Aufsicht des Staates und „bleibt in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurück“ (Artikel 102, Absatz 1 u. 2 der Verfassung des Freistaates Sachsen). Das Gymnasium kann von allen Schülerinnen und Schülern besucht werden, die die Voraussetzungen für den Besuch des Gymnasiums erfüllen. Im Rahmen von Aufnahmegesprächen wird dies geprüft und die Eignung festgestellt. Es bestehen keine Einschränkungen im Blick auf Wohnort, Konfession und Weltanschauung. Von den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern wird jedoch erwartet, dass sie die handlungsleitenden Grundsätze des Schulträgers kennen und achten. Am EZGH geht es nicht vordergründig um Erziehung zum Glauben, sondern um Erziehung aus Glauben.

Der Bildungsanspruch

Bildung soll nicht in erster Linie klug, sondern vor allem lebenstüchtig machen. Lernstoffe und Fähigkeiten sollen nicht nur vermittelt, sondern auch geordnet, gewertet und angewandt werden. Das Zinzendorf-Gymnasium Herrnhut nimmt alle Schülerinnen und Schüler mit ihrer Weltanschauung ernst und setzt damit eine Tradition fort, die im Protestantismus fest verwurzelt ist: das Praktizieren eines freimütigen Gespräches sowie die Annahme Andersdenkender. Eine große Rolle spielen Dienstbereitschaft und Nächstenliebe anstelle von Ausgrenzung und Herrschsucht.

Das EZGH arbeitet auf der Grundlage der jeweils gültigen sächsischen Lehrpläne und orientiert sich an der jeweils gültigen Stundentafel. Als erste Fremdsprache wird Englisch unterrichtet, als weitere Sprachen werden Latein, Tschechisch und Spanisch angeboten

Das besondere Schulprogramm

Das EZGH wird als Gymnasium in Freier Trägerschaft der Schulstiftung der Brüder-Unität durch ein besonderes Schulprogramm geprägt. Unter dem Titel "Ethik und Verantwortung in Wirtschaft und Diakonie" soll fächerübergreifend die Frage integriert werden, wie moralische Normen und Ideale sowie christliche Werte unter den derzeitigen gesellschaftlichen Bedingungen – insbesondere auch den Wettbewerbsbedingungen in einer modernen Gesellschaft zur Geltung gebracht werden können.

Der Praxisbezug des Unterrichts wird sich in Begegnungen, Diskussionen und vor allem regelmäßigen Praktika in den Unternehmen und diakonischen Einrichtungen niederschlagen.

In Herrnhut bestehen gute Voraussetzungen für die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsbetrieben und der Diakonie der Brüder-Unität. Weiterhin werden regionale und überregionale Unternehmen und diakonische Einrichtungen in die Zusammenarbeit eingebunden. Solchen Kooperationen werden im Bildungsablauf große Bedeutung beigemessen. Ergänzend zum klassischen Unterricht sollen für die Schülerinnen und Schüler – bis hin zu Ganztagsangeboten – zahlreiche horizonterweiternde Aktivitäten möglich sein. Zu diesem Zweck wird das EZGH mit großem Nachdruck auf die Wirtschaft und das Handwerk, auf Kommunen, Vereine sowie andere Bildungs- und Projektträger zugehen. Eine besonders enge Zusammenarbeit wird mit Hochschulen und Universitäten gesucht, um den Schülerinnen und Schülern eine optimale Studienvorbereitung zu ermöglichen.

In Übereinstimmung mit den Traditionen der Brüder-Unität und resultierend aus der Lage Herrnhuts im "Dreiländereck" ist das EZGH auch in besonderer Weise dem Europa-Gedanken verpflichtet. Durch die weltweiten Kontakte der Brüder-Unität wird sich das EZGH zu einer Begegnungsstätte für Ost und West etablieren und in der Oberlausitz ein Gymnasium mit zukunftsweisenden Charakter schaffen.