Freitag, 11. August 2017

Ein Glaube, viele Gesichter - Muslime in Deuschland

Unsere Exkursion über das Thema "Ein Glaube, viele Gesichter – Muslime in Deutschland" im St. Afra Kloster in Meißen beginnt am Morgen des 19.06.2017 am Bahnhof in Löbau. Einige Schüler – mitsamt unserem Tutor Herrn Treiber – sitzen bereits in dem Zug, der uns nach Dresden bringen soll. Doch es macht sich Verzweiflung breit: sollen wir wirklich in den Zug einsteigen? An diesem Montagmorgen wurden einige Strecken der Deutschen Bahn manipuliert und unser Zug soll nicht bis Dresden Neustadt fahren. Letztendlich steigen wir unter Aufsicht von Frau Schubert trotzdem in den Zug, welcher dann plötzlich kurz vor Dresden anhält. Wir dürfen nicht weiterfahren. Also warten wir gemeinsam mit einer anderen Klasse unserer Schule am Bahnhof in Arnsdorf. Als wir dann mit der S-Bahn nach Meißen fahren, lernen wir unsere Workshopleiterin Frau Fuchs kennen. Frau Fuchs promoviert an der Universität Princeton in den USA im Fach Religionswissenschaft, mit Schwerpunkt Islam in Südasien.

Zum frühen Nachmittag treffen wir im Klosterhof ein. Auf der Suche nach einem kühlen Schattenfleckchen warten wir auf die Verteilung der Zimmer. Danach beginnt der erste Teil des Workshops unter der Leitfrage was „Deutsch-Sein“ eigentlich bedeutet. Wann ist jemand „Deutsch“? Woran macht sich fest, wann jemand als Deutscher oder Deutsche wahrgenommen wird? Hat die Wahrnehmung in erster Linie mit Namen oder Aussehen zu tun? Welche unterschwelligen Kategorien schwingen außerdem noch mit? An einer Pinnwand hängen Fotos von Helene Fischer, Mesut Özil, Sahra Wagenknecht und Navid Kermani. Alle Personen haben einen Migrationshintergrund. Wir sollen festlegen, welche drei Personen für uns persönlich „am deutschesten“ sind. Davon ausgehend reflektieren wir über das Thema der nationalen Identität und unsere eigene Haltung dazu. Im Anschluss führt Frau Fuchs in einem Impuls-Vortrag in das Thema „Muslime in Deutschland sein“. Sie erklärt uns, dass es in Deutschland keine Religionserfassung gibt und es somit schwierig zu sagen ist, wie viele Muslime hierzulande leben. Ein kurzer Überblick über Ethnizität, Herkunftsländer, Sprachen und demographische Hintergründe folgt. Anschließend werten wir gemeinsam Statistiken aus. Darin wird die Frage von Religiösität im Alltag thematisiert, zum Beispiel, wie viele Muslime ein Kopftuch tragen, wie viel Prozent der Muslime kein Schweinefleisch essen und wie viele fünf mal am Tag beten. Aus den Statistiken wird deutlich, dass Muslime in Deutschland eine sehr gemischte Gruppe sind. Sie praktizieren ihre Religion sehr unterschiedlich. Oft hängt es vom Alter ab, wie intensiv jemand seinen Glauben lebt, aber auch davon, ob die Person selbst nach Deutschland eingewandert ist oder hier geboren wurde.

Im nächsten Block beschäftigen wir uns mit Geschichten von Einwanderung. Wann und aus welchen Gründen sind Menschen aus muslimischen Ländern nach Deutschland gekommen? In einer Gruppenarbeit setzen wir uns mit persönlichen Erfahrungsberichten auseinander. Besonders wichtig ist hierbei, wie die unterschiedliche Mitgrationserfahrung der Eltern die Kinder geprägt hat und welche Auswirkungen dies auf ihre Biographie hatte.

Am Abend machen wir gemeinsam einen Rundgang durch Meißen, genießen die abendliche Hitze und essen Eis. Wir schauen uns den mittelalterlichen Dom an und einige von uns lernen an der Elbe Steine über das Wasser hüpfen zu lassen.

Nachdem es am zweiten Tag unseres Workshops um 8:15 Uhr Frühstück gegeben hat, beginnt der zweite Teil des Workshops. Wir sollen Zitate von Christen bzw. Muslimen und Texte aus dem Koran bzw. aus der Bibel zuordnen. Dabei überrascht uns, wie ähnlich sich Bibel und Koran oft sind. Es gibt auch viele bekannte Figuren, wie zum Beispiel Abraham, Mose, Aaron und andere, die man schon aus der Bibel kennt. Zur Freude aller erhalten wir anschließend das WLAN-Passwort, um uns im Internet mit Koransuren, etwa zu den Themen Veränderung von Wörtern im Koran oder zum Fastenmonat Ramadan, zu informieren. Der Block zum Koran schließt mit dem Anhören einer Koranrezitation ab. Darauf folgend erhalten wir eine kleine Einführung in die Geschichte des Korans sowie über das Leben Mohammeds im Vorlesungsstil. Darauf aufbauend beschäftigen wir uns mit der Frage, was denn eigentlich die Scharia ist. Oft fällt der Begriff im Fernsehen oder in der Zeitung. Doch was verbirgt sich genau dahinter? Die Einführung ins islamische Rechtssystem wird ganz praktisch veranschaulicht, als wir uns Rechtsgutachten, sogenannte Fatwas anschauen und gemeinsam analysieren.

Nach dem Mittagessen beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wichtig Religion für die Identität eines Menschen ist. Wir lernen das Konzept der „zusammengesetzten“ Identitäten kennen. Für uns selbst, wie auch für Menschen muslimischen Glaubens, spielt neben der Religion auch Politik, Kultur, Bildung, Freizeit und andere Dinge eine Rolle. All diese Dinge zusammengenommen formen und prägen unsere Identität. Religion ist nur ein Teil davon. Zur Veranschaulichung dieses Gedankens lesen wir gemeinsam Texte über Generationskonflikte und Alltagserfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund. Nachdem wir alle Ergebnisse in der großen Runde zusammengetragen haben machen wir eine längere Pause. Am Abend kommt uns schließlich Hesham besuchen, ein ägyptischer Muslim, der Germanistik studiert hat, lange in Ägypten Fremdenführer war und nun an einer Berufsschule in Dresden „Deutsch als Zweitsprache“ unterrichtet. Wir dürfen ihm Fragen stellen, etwa zu der Glaubensausübung im Alltag oder zu seiner persönlichen Situation während des Ramadans. Wir erfahren viel über das tägliche Gebet und das Alkoholverbot, sowie über seinen ersten Eindruck von Deutschland und über Vorurteile. Abends machen wir einen weiteren Rundgang durch Meißen mit Elb-Picknick.

Nachdem es am Mittwochmorgen Frühstück gegeben hat, gibt es ein Auswertungsgespräch in der Gruppe. Wir dürfen Fragen zu Urdu stellen, der Nationalsprache Pakistans, und Frau Fuchs schreibt unsere Namen in arabischer Schrift. Zum Abschluss liest sie uns ein Gedicht auf Urdu vor. Zum Mittag treffen wir uns alle am Bahnhof in Meißen. In Dresden teilt sich unsere Gruppe auf.

Rückblickend war der Workshop sowohl informativ, als auch interessant. Gerade in Zeiten, in denen viele von einer "Islamisierung" sprechen, ist es wichtig, etwas über diese Weltreligion zu erfahren. Vor allen aber hat der Workshop uns allen Spaß gemacht und wir konnten unsere Exkursionstage sinnvoll nutzen.

Ermöglicht wurde der Workshop durch eine finanzielle Förderung der Evangelischen Schulstiftung.

Anika H. & Emma P., Klasse 11